Handelsblatt News

Weniger Regeln, mehr ausprobieren

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will Unternehmen größere Freiräume bei der Erprobung neuer Technologien geben. Dazu sollen mehr von sogenannten Experimentierräumen eingerichtet werden, in denen zeitlich und räumlich begrenzt bestimmte Regeln ausgeschaltet werden. Mit der Initiative will Altmaier nicht nur eine "Mentalität des Austestens" fördern. "Wir wollen auch unseren Rechtsrahmen fit für die Ideen von morgen machen", sagte Altmaier. Die Initiative ist einer der Bausteine, mit denen die Bundesregierung der deutschen Digitalwirtschaft zu mehr Erfolg verhelfen will. Denn deutsche Firmen haben mit Blick auf ihre Konkurrenz aus China oder den USA den Nachteil, dass dort in vielen Bereichen laxere Regeln gelten. Deutschland folgt nun dem Beispiel Großbritanniens, wo es solche regelfreien Räume bereits unter dem Namen "Regulatory Sandboxes" gibt. Vereinzelt werden Einrichtungen dieser Art in Deutschland bereits erprobt. So soll ab nächstem Jahr in der Hamburger Hafencity

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Auf dem Weg zur Revolution

Valentin Stalf ist für mich ein Leuchtturm der deutschen Gründerszene. Wer sich mit 28 Jahren traut, eine so alteingesessene und mächtige Industrie wie das Finanzwesen anzugehen und damit auch noch Erfolg hat, hat sich meinen vollen Respekt verdient. Gerade wir Deutschen hängen in Sachen Digitalisierung noch sehr hinterher. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass eine digitale Finanzdienstleistungs-App wie N26 so großen, internationalen Anklang findet. Im Februar 2013 gründete Valentin gemeinsam mit dem heutigen CFO Maximilian Tayenthal die erste, fürs Smartphone optimierte Bank, N26. 2015 folgte dann der offizielle Launch mit Girokonto und Mastercard. Im Juli 2016 erteilten Bafin und EZB dem Start-up die Vollbanklizenz - ein sehr wichtiger und großer Schritt, dessen Hürden ich seit meiner Beteiligung an der Blockchain-basierten ICO-Plattform Neufund nur zu gut kenne. Seitdem wächst N26 konstant, inzwischen arbeiten 500 Mitarbeiter gemeinsam mit Valentin an dem Aufbau der digitalen Bank.

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Kantig und uneitel

Was macht einen Topmanager besonders? Der Börsenwert, den er schafft? Ein Abschluss von der Harvard Business School? Die Loyalität und Bewunderung, die ihm seine Mitarbeiter entgegenbringen? Sein Geschick als Verhandlungsführer? Der Ehrgeiz, immer und überall vorne mitzuspielen? Oder was? Ulf Mark Schneider, seit Januar 2017 der Chef des weltgrößten Nahrungsmittelherstellers Nestlé, kann bei all den genannten Punkten ein Kreuzchen machen. Das macht ihn zu einem guten Manager, aber nicht zu einem überragenden. Dass das Handelsblatt ihn zum Manager des Jahren 2018 kürt - übrigens zum zweiten Mal, 2012 trug er diese Krone als Chef von Fresenius schon einmal, hat andere, wichtigere Gründe. Schneider ist kein Schwätzer. Schneider ist uneitel. Schneider hört zu. Schneider ist vor allem kein "one trick pony", wie die Amerikaner jemanden nennen, der nur eine Sache besonders gut kann. Schneider ist wirklich ein General Manager im besten Sinne des Wortes und ein Mann, der nie aufhört zu lernen.

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Ein guter Anfang

Der Bundesgerichtshof hat am Donnerstag entschieden, dass Uber seinen Service "Uber Black" - per App einen Mietwagen samt Fahrer bestellen zu können - in Deutschland nicht anbieten darf. Währenddessen wird in den USA gerade der Fall diskutiert, bei dem ein autonom fahrendes Auto des US-Konzerns einen Fußgänger überfahren hatte. Am Beispiel Uber wird klar, wie groß die Gegensätze bei der Regulierung von neuen Geschäftsmodellen dies- und jenseits des Atlantiks sind. Während nicht nur in den USA, sondern auch in China alles erlaubt zu sein scheint, was geht, werden neue Geschäftsmodelle in Deutschland zu oft gleich ganz verboten oder verhindert. Dazwischen gibt es aber einen großen Mittelweg, der bisher zu wenig beschritten worden ist. Das Bundeswirtschaftsministerium geht daher mit seinen Experimentierräumen einen längst überfälligen Weg. Man muss dem Bürger ja nicht alles zumuten, aber ein bisschen mehr Ausprobieren darf schon sein. Die Gefahr ist sonst groß, dass Innovationen wie bisher

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Der Herausforderer

Es sind ziemlich ausgetretene Stufen einer Metalltreppe, die Philipp Pausder leichtfüßig - mit Schuhgröße 48 - nimmt, um in sein Büro in einem Berliner Hinterhof zu gelangen. Manchmal muss sich der frühere Basketball-Bundesliga-Spieler kleiner machen, als er mit seinen zwei Metern ist. Pausder ist Mitgründer und Vorstandschef von Thermondo - einem 2012 gegründeten Start-up. Das Berliner Unternehmen vermittelt bisher erfolgreich Heizungsanlagen und stellt auch die Installateure, um sie einzubauen. Doch nun will sich Thermondo noch einmal neu erfinden und seinen Kunden die Energie gleich mitliefern - und so den Energiekonzernen Konkurrenz machen. Die Idee dazu kam ihm bereits früh. Schon beim Start von Thermondo wollten der 43-Jährige und sein Jugendfreund Florian Tetzlaff eigentlich ein Energieunternehmen gründen. Begonnen haben sie dann gemeinsam mit dem Energieexperten Kristofer Fichtner mit einer Plattform, die Heizungen und die passenden Installateure vermittelt. Als ihnen klar wurde,

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Ein bisschen crazy

Martina Merz gilt als Favoritin für einen der derzeit schwierigsten Posten in der Industrie. Sie könnte die erste Aufsichtsratschefin bei Thyssen-Krupp werden. Es wäre dennoch ein Karriereschritt, den die resolute Ex-Bosch-Managerin zu Beginn ihrer Karriere sicher nicht für möglich gehalten hätte. Die Genderdiskussion ist ihr eigentlich zuwider. Auch wenn sie schon zu ihrer Bosch-Zeit mal junge Mütter als Vorbild für Führungskräfte bezeichnete: "Diese Frauen führen kompromisslos, aber auch mit großer Zuneigung." Beide Fähigkeiten wird die heute 55-Jährige auch bei der Aufsicht des kriselnden Essener Konglomerats brauchen, sofern sie den Job tatsächlich bekommt. Ein Fragezeichen ist angebracht, nachdem die Berufung von Ex-Daimler-Finanzchef Bodo Uebber so kläglich gescheitert ist. Merz gehört dem Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp erst seit wenigen Tagen an. Die Maschinenbauerin hatte einen der beiden Plätze übernommen, die mit den Rücktritten von Ulrich Lehner und René Obermann frei geworden

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Eine Ingenieurin für die Krisen-Airline

Paris Sie ist die erste Frau, die jemals Frankreichs Fluggesellschaft Air France leitet: Anne Rigail übernimmt das Amt zum 17. Dezember. Die Französin mit dem blonden Pagenschnitt war seit Dezember 2016 stellvertretende Chefin, zuständig für den Kundenbereich bei der Airline. Rigail hat eine lange Erfahrung in der Luftfahrtindustrie hinter sich. Die 49-Jährige hat die Elite-Ingenieurhochschule École des mines in Paris besucht. Nach ihrem Diplom ging sie 1991 zur innerfranzösischen Fluggesellschaft Air Inter, die später mit Air France fusionierte. Sie untersteht direkt dem Kanadier Benjamin Smith, der Mitte September von Air Canada als Chef für Air France KLM kam und über sie erklärte: "Anne ist sehr professionell im Luftfahrtbereich. In ihrer Karriere spielten die Kunden immer eine entscheidende Rolle." Auf Rigail wartet eine schwierige Aufgabe: Ihr Vorgänger musste gehen, weil er für das Scheitern der Verhandlungen mit den Sozialpartnern im Frühjahr verantwortlich gemacht wurde, als

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Israels Mr. Security

Sprössling eines Sicherheitsunternehmers zu sein ist nicht immer leicht: Betreten Schulfreunde von Gil Shweds Kindern das Heim der Familie, werden sie erst einmal gecheckt. "Ich habe ein System entwickelt, das erkennt, wenn Handys mit Schadsoftware ins Haus kommen", sagt der vierfache Familienvater. Manchmal tauche auch eine Warnung auf, wenn eines seiner Kinder abends im Bett eine neue App installiere und sich dadurch die sogenannte Ransomware auf das Smartphone lade, erzählt er: "Dann gehe ich ihnen natürlich auf die Nerven und gebe Bescheid." Er grinst vorsichtig. Für diese Zurückhaltung ist Shwed in Israel bekannt: Jeder in der Tech-Branche kennt ihn, preist ihn fast überschwänglich für seine Leistungen in Israel und seine Zurückhaltung, die fast schüchtern wirkt, wenn man mit ihm spricht. Dabei könnte der untersetzte 50-Jährige durchaus anders auftreten: Shwed ist Mitgründer und Chef des 1993 ins Leben gerufenen IT-Sicherheitsunternehmens Checkpoint, er gilt vielen als Erfinder der

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