Handelsblatt News

"Nur Starke können Schwachen helfen"

Hinter Joe Kaesers Schreibtisch hängt ein Gemälde seines Konzerngründers Werner von Siemens - leicht modifiziert. In silbrigen Lettern prangt das Wort "Responsibility" auf dem Ölbild (Foto unten). Der Hintergrund: Bei einer Tagung der 50 obersten Führungskräfte hatte jeder Manager einen Wert genannt, für den das Unternehmen stehe. Der Chef hatte "Responsibility" gewählt. Im Foyer der Münchener Konzernzentrale sind alle Werte mittlerweile auf einer Säule verewigt. Und über Verantwortung will auch Kaeser sprechen. Für ihn eines der wichtigsten Themen rund um die am Montag startende und vor allem auf die Digitalisierung fokussierte Hannover Messe. Rein technisch sieht Kaeser die deutsche Industrie gut positioniert. Sorgen bereitet ihm der moralische Verfall des Kapitalismus. Herr Kaeser, die bevorstehende Hannover Messe gilt als Schaufenster der deutschen Industrie. Wie ist die hiesige Wirtschaft aufgestellt, wenn es um die großen Revolutionen geht - von Digitalisierung bis künstliche Intelligenz?

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Macquarie stört Eon bei Innogy

Noch hat Eon-Chef Johannes Teyssen seine Offerte für Innogy gar nicht offiziell lanciert. Derzeit prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) das 20 Milliarden Euro schwere Gebot. Dennoch hat die Übernahme für Teyssen bereits jetzt ein wenig an Attraktivität verloren. Der australische Infrastrukturinvestor Macquarie will nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen das lukrative Geschäft in Tschechien übernehmen. Innogy betreibt dort vor allem ein sehr rentables Gasnetz. Die Innogy Grid Holding besitzt und betreibt 80 Prozent des regionalen Verteilnetzes für Gas. An die rund 65 000 Leitungen sind mehr als 2,3 Millionen Kunden angeschlossen. Macquarie ist schon mit 49 Prozent an der Innogy-Grid-Holding beteiligt - und will jetzt nach Informationen aus Finanzkreisen eine Change-of-Control-Klausel nutzen. Innogy hatte zuvor per Ad-hoc-Mitteilung über einen Erwerbsinteressenten für die Geschäftsaktivitäten in Tschechien berichtet. Der Vorstand habe beschlossen,

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Der unbequeme Aufräumer

Larry Thompson macht so schnell keiner etwas vor. Der 72-Jährige leitete für US-Präsident George W. Bush die Ermittlungen gegen den Energiekonzern Enron und gilt als einer der erfahrensten Wirtschaftsjuristen Amerikas. Daher hat ihn das USJustizministerium als Aufseher nach Wolfsburg entsandt. Nach dem Dieselskandal, der Volkswagen (VW) allein in den USA mehr als 20 Milliarden Dollar kostete, soll Thompson sicherstellen, dass der Autobauer neue Compliance- und Ethiksysteme aufbaut. Ein derartiger Skandal soll sich nicht wiederholen. Ein Jahr nach seiner Ernennung übt Thompson nun allerdings scharfe Kritik am Konzern. Der frühere US-Staatssekretär vermisst die "Ernsthaftigkeit beim Willen zum Wandel", heißt es in seinem Bericht an das Justizministerium. Zudem moniert Thompson, es habe nach der Dieselaffäre kaum personelle Konsequenzen gegeben. Insgesamt hat Thompson 32 Bereiche aufgelistet, bei denen VW nachbessern muss - und zwar schon bis Ende August, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen

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Die Widerstandskämpferin

Die Personalchefin der Lufthansa verausgabt sich gerne - sei es auf dem Rennrad in den Höhen des Taunus, im Waldsee nahe der Konzernzentrale oder beim Laufen in der Mittagspause. Mehrere Triathlons hat die Noch-54-Jährige schon erfolgreich absolviert. Und auch im Job geht Bettina Volkens selten den Weg des geringsten Widerstands. Volkens, die am 15. Juni ihren 55. Geburtstag feiert, hat ein Ziel: neue Wege einschlagen, egal wo. 2017 schaffte sie die individuellen Boni für die Chefs ab, eine kleine Revolution. Unter dem Namen "LH New Workspace" treibt die Personalerin zudem die Weiterentwicklung des Arbeitsplatzes mit Homeoffice, Vertrauensarbeitszeit und anderen Innovationen voran. "Auch als Vorstandsmitglied kann man solche Modelle nutzen, das geht", sagt Volkens, die selbst regelmäßig von zu Hause aus arbeitet. Sei sie nicht da, könnten Kollegen ihr Zimmer als Konferenzraum nutzen. Neue Wege geht die Mutter von zwei Kindern auch bei der Nachwuchsförderung. Die Lufthansa will Teile

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Renditechancen mit Chinas Tech-Giganten

Nein, die Bedingungen für "BAT" könnten eigentlich nicht rosiger sein als jetzt. Die Abkürzung steht für die drei chinesischen Technologie-Unternehmen Baidu (Suchmaschine), Alibaba (E-Commerce) und Tencent (Internet-Dienstleistungen). Das Trio wird von der Regierung in Peking mit einer großzügigen Industriepolitik gefördert - und dank einer restriktiven Abschottung müssen die Firmen aus dem Reich der Mitte auch nicht mit US-Rivalen wie der Suchmaschine Google oder dem Social-Media-Konzern Facebook konkurrieren. Und zur Förderung der künstlichen Intelligenz, die bis 2030 zu einer 150-Milliarden-Dollar-Industrie wachsen soll, hat Peking die drei Konzerne zu Teamleitern erkoren - Baidu für autonomes Fahren, Alibaba für smarte Städte und Tencent für die Medizintechnik. Doch trotz dieser massiven staatlichen Unterstützung war die Stimmung zuletzt eher düster. Denn die Spannungen zwischen Peking und Washington drohen zu einem großen Handelskrieg zu eskalieren, beide Seiten überziehen sich gegenseitig

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Konzernen drohen Bußgelder

Margrethe Vestager war über den ganzen Rummel nicht gerade glücklich. Kaum hatte der "Spiegel" im Juli 2017 über jahrzehntelange Absprachen des angeblichen "Autokartells" berichtet, wollte alle Welt von der EU-Wettbewerbskommissarin wissen, was sie gegen die Machenschaften der Unternehmen zu tun gedenke. Vestager aber hielt sich bedeckt: "Die übermittelten Informationen sind umfangreich und werfen ... komplexe Sach- und Rechtsfragen auf", schrieb sie kurz darauf in einem Brief an den damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Zu diesem Zeitpunkt taten sich Vestagers Beamte in der Generaldirektion Wettbewerb schwer mit den Ermittlungen: Daimler und Volkswagen hatten den Brüsseler Kartellwächtern zwar umfangreiches Aktenmaterial überlassen, das die enge Abstimmung der fünf beteiligten Unternehmen in zahlreichen Arbeitskreisen und über viele Jahre hinweg dokumentierte. Sie hofften, dafür als Kronzeugen straffrei auszugehen. Aber die Fülle des Materials machte den Kartellhütern ebenso

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Porsche-Durchsuchung birgt Brisanz

Die Ermittler brauchten länger als gedacht. Auch am Donnerstag waren bei Porsche einige Beamte mit dem Kopieren von Festplatten beschäftigt. Ein Sprecher bestätigte, dass noch Beamte im Haus seien, aber eben viel weniger als am Tag zuvor. Am Mittwoch hatten fast 200 Staatsanwälte und Polizisten bei Porsche und auch an zwei Standorten der Konzernschwester Audi nach Beweisen gesucht. Die Ermittlungen richten sich wohl, wie jetzt bekannt wurde, gegen Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner, einen direkten Untergebenen von Steiner sowie einen dritten Mitarbeiter. Es geht um den Verdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung im Zuge möglicher Manipulationen der Abgasreinigung von Dieselautos. Wie bekannt wurde, sind auch Privatwohnungen durchsucht worden. Porsche selbst wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Nach Informationen des Handelsblatts werden Steiner und seinem Mitarbeiter nicht die Manipulation der Software vorgeworfen, sondern vielmehr, wie sie sich bei der Aufklärung verhalten

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Generation Vernunft

Zwei Bewerbungsgespräche. Mehr hat Andreas Thamme nach seinem Abschluss nicht gebraucht, bis er seine Jobwahl trifft. An einem Freitag schickt er seine Bewerbung raus, am Montag drauf laden ihn zwei Anwaltskanzleien zum Gespräch ein. Thamme, der eigentlich anders heißt, ist ein Leistungsträger auf seinem Gebiet, ein High Potential, wie es auf Neudeutsch heißt. Sein Jurastudium hat er mit Prädikat abgeschlossen. Note: "gut", 11,54 Punkte. Wer als Jurist in diesen Punktebereich vorstößt, zählt üblicherweise zu den obersten fünf Prozent eines Jahrgangs. Thamme war Zweitbester. Bei seinem ersten von zwei Bewerbungsgesprächen sitzt der junge Absolvent gleich vier Partnern einer Großkanzlei gegenüber. Die Arbeitsatmosphäre hinterlässt schon während des kurzen Kennenlernens Eindruck. Ein schicker Konferenzraum mit Blick aufs Rathaus, in der Mitte ein schwerer runder Tisch, sechsstelliges Einstiegsgehalt. "Die wollten mir zeigen, wie sehr sie mich haben wollen", erinnert sich Thamme. Irgendwann

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