Handelsblatt News

Ökonomen warnen vor zwölf Euro

Fast wurde der Untergang des Abendlandes heraufbeschworen, als 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde. Führende Ökonomen warnten vor horrenden Arbeitsplatzverlusten, die Spanne reichte von 250 000 bis zu einer Million Jobs. Wenn der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) an diesem Mittwoch - etwas verfrüht - mit einer Konferenz die Bilanz von fünf Jahren Mindestlohn zieht, sind die Kassandrarufe längst verhallt. Aber auch die in sie gesetzten Hoffnungen konnte die gesetzliche Lohnuntergrenze nicht komplett erfüllen. "Die Horrorszenarien von massenhaften Jobverlusten haben sich nicht bestätigt", sagt Thorsten Schulten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. "Allerdings hat der Mindestlohn auch nicht zur Reduzierung des Niedriglohnsektors oder von Armut und Ungleichheit geführt." Dem deutschen Jobwunder hat die staatliche Lohnregulierung jedenfalls nicht merkbar geschadet. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

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Das große Fressen

Die Übernahmewelle in der globalen Pharmaindustrie steuert auf ihren nächsten Höhepunkt zu: Am Dienstag kündigte der amerikanische Arzneihersteller Abbvie den Kauf des Botox-Produzenten Allergan für 63 Milliarden Dollar an. Gelingt die Übernahme, dürfte die Branche in diesem Jahr nach zweijähriger Pause auf einen neuen Rekord bei Fusionen zusteuern. Mit den neuen Milliardendeals wollen die Hersteller aussichtsreiche Produkte als Umsatzbringer gewinnen. Auf der anderen Seite bringen ihnen Fusionen zusätzlichen Spielraum für Effizienzgewinne. Etliche Großkonzerne - darunter auch Abbvie - bekommen aus der eigenen Forschung nicht genügend Produktnachschub, um große Patentabläufe auszugleichen. Sie investieren daher weiter stark in den Zukauf von Produkten, Forschungsprojekten und kompletten Unternehmen. Nach der geplanten, aber noch nicht vollzogenen Übernahme von Celgene durch Bristol-Myers Squibb ist die Übernahme von Allergan bereits der zweite Megadeal, der in diesem Jahr vereinbart wurde.

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Eon ist fast am Ziel

Anfang Oktober könnte Eon-Chef Johannes Teyssen seinen Megadeal perfekt machen. Bis zum 20. September will die EU-Kommission entscheiden, ob sie die Übernahme von Konkurrent Innogy freigibt. Der 1. Oktober wäre ein perfektes Datum für "Day one", wie der Start des gemeinsamen Energiekonzerns intern genannt wird. Noch muss Eon die letzte Hürde, die Genehmigung in Brüssel, nehmen. Aber es sieht so aus, als könnte Teyssen diese Hürde ohne größere Blessuren überspringen. Sein Konzern hat im Genehmigungsverfahren jetzt Zugeständnisse gemacht. Die sind zwar so moderat, dass Wettbewerber schon wieder ihren Widerstand ankündigen. Nach den monatelangen Vorgesprächen wird in Branchenkreisen aber damit gerechnet, dass die EU-Kommission sich damit zufriedengeben könnte. Zumindest werde sie nichts Dramatisches mehr verlangen können, heißt es. Eon ist bereit, in Tschechien und Ungarn die gemeinsame Marktposition zu verringern. In Ungarn hat der Konzern Verkäufe im eigenen Geschäft mit Stromkunden vorgeschlagen.

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Emotionale Verbundenheit

Sie steht für einen Neuanfang. Die 57-jährige Ann Sarnoff wird neue Chefin des US-Filmunternehmens Warner Brothers. Sie folgt auf Kevin Tsujihara, der im März nach Vorwürfen wegen Fehlverhaltens zurückgetreten war. Sarnoff war bislang Präsidentin der BBC-Studios in den USA und hat mehr als 30 Jahre Erfahrung im Film- und TV-Geschäft. Sie arbeitete in der Vergangenheit unter anderem für Viacom und Dow Jones. Dennoch gilt ihre Ernennung in der Branche als große Überraschung. Dass ein Filmstudio von einer Frau geführt wird, ist eine Seltenheit in Hollywood. Zwar sind 51 Prozent der Kinogänger in den USA weiblich. Doch viele Führungspositionen werden in der Film- und Fernsehwelt noch immer von Männern besetzt. Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt. Nach der "MeToo"-Bewegung, bei der seit 2018 eine ganze Reihe von Schauspielerinnen auf Missbrauchsfälle aufmerksam gemacht haben, bekommt das Thema mehr Gewicht. Sarnoff "steht für Innovation, Kreativität und Geschäftsergebnisse und wird ein

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Steuerteufel steckt im Detail

Die Finanzminister der G20-Länder haben eine ehrgeizige Reformagenda für die internationale Besteuerung vereinbart. Auslöser ist wachsender Unmut über die Besteuerung der Digitalwirtschaft. Viele Digitalfirmen erzielen hohe Umsätze in Europa, zahlen dort aber kaum Gewinnsteuern. Die geltenden Besteuerungsregeln sehen auch vor, dass Unternehmen nicht dort Gewinnsteuern zahlen, wo sie ihre Produkte absetzen, sondern dort, wo die Produkte entwickelt oder hergestellt werden. Die US-Digitalfirmen zahlen aber auch in den USA wenig Steuern. In Europa haben die niedrig besteuerten Gewinne der US-Internetgiganten Begehrlichkeiten ausgelöst. Die EU-Kommission hat deshalb vorgeschlagen, Internetunternehmen künftig stärker dort zu besteuern, wo sie ihre Umsätze machen, also in den sogenannten "Marktländern". Diese Idee haben die G20-Finanzminister aufgegriffen. Die Besteuerungsrechte für die Marktländer sollen allerdings nicht nur bei Internetfirmen erweitert werden, sondern bei allen Unternehmen.

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63 Milliarden Dollar für Botox-Firma

Der US-Pharmakonzern Abbvie will für 63 Milliarden Dollar den Botox-Hersteller Allergan kaufen und so einen neuen Riesen der Schönheitsmedizin schaffen. Mit der Übernahme könnte die Pharmabranche nach zweijähriger Pause auf einen neuen Höhepunkt der Konsolidierung zusteuern. Weil die großen Pharmaunternehmen immer weniger aussichtsreiche neue Medikamente in ihren eigenen Pipelines haben, kaufen sie das Know-how anderer Unternehmen mittels Übernahmen hinzu. Abbvie, das 2013 als Abspaltung von Abbott Laboratories entstand, kämpft vor allem mit dem Ablauf seines Patents für das meistverkaufte Medikament der Welt: Humira. Das Präparat für Autoimmunkrankheiten wie Rheuma und Schuppenflechte war 2018 mit 20 Milliarden Dollar das umsatzstärkste Medikament weltweit und steuerte 60 Prozent des Abbvie-Umsatzes bei. Doch in Europa ist der Patentschutz von Humira bereits abgelaufen, auch in den USA hält Abbvie die Exklusivrechte nur noch bis 2022. Allergan ist vor allem als Originalherst eller

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Capgemini kauft in Frankreich zu

In Frankreich entsteht ein neuer Großanbieter für Technologieberatung: Der IT-Spezialist Capgemini übernimmt für 3,6 Milliarden Euro den weltgrößten Ingenieurdienstleister Altran. Zusammen wollen sie den führenden Partner für Industriekonzerne in der Produktentwicklung bilden, vor allem bei Digitaltechnologien. Die Übernahme ist ein Signal dafür, wie sich die Beratungsbranche konsolidiert und wie sich klassische Beratungsunternehmen zu Multidienstleistern wandeln. Capgemini ist mit 250 000 Mitarbeitern und 13 Milliarden Euro Umsatz noch immer einer der führenden IT-Dienstleister, denen Unternehmen den Betrieb ihrer IT anvertrauen. Doch der Konzern hat in den vergangenen Jahren auch kräftig in Digitaltechnologie und Managementberatung investiert. Jetzt kommt mit dem Kauf der börsennotierten Altran der nächste Schritt. "Wir werden ein großer Akteur bei intelligenten Industrien", sagte Capgemini-Chef Paul Hermelin bei der Verkündung. Altran ist zwar deutlich kleiner als Capgemini, aber

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Die nächste Welle rollt an

Die Konsolidierung in der Pharmabranche gewinnt wieder an Fahrt. Mit den beiden Megadeals BMS Celgene und Abbvie Allergan sowie diversen Übernahmen im einstelligen Milliardenbereich hat 2019 gute Chancen, zu einem Top-Transaktionsjahr zu werden. Erwartet wurde die nächste Übernahmewelle im Markt von Marktbeobachtern schon seit Längerem. 2018 waren die Pharmaunternehmen auf dem Transaktionsmarkt noch deutlich hinter ihren Möglichkeiten geblieben, wie eine Analyse der Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft EY zeigt: Zwar stieg das M & A-Volumen im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 198 Milliarden US-Dollar. Allerdings lag die Summe immer noch etwa 90 Milliarden US-Dollar unter den Beträgen, die in den Jahren 2014 bis 2016 durchschnittlich in den Bereich investiert wurden. "Die Branche verharrt insgesamt in Lauerstellung", hatte Gerd Stürz, Leiter des Bereichs Life Sciences bei EY, Anfang des Jahres noch die Stimmung in der Industrie charakterisiert. Viele Deals kamen seiner Einschätzung

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