Handelsblatt News

Lockruf aus Amerika

Trumps Steuerreform wird auf Investitionen eine massive Sogwirkung entfalten. Davon sind Ökonomen fest überzeugt. "Der Steuerwettbewerb wird eine neue Dimension bekommen", sagt der Unternehmensteuerexperte Christoph Spengel. Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest ist sicher, dass "Investitionen und Jobs in die USA abwandern" - wenn die nächste Bundesregierung nicht gegensteuert. Erstmals hat Spengel jetzt gemeinsam mit einer Forschergruppe der Universität Mannheim die Dimension dieses Sogs für Deutschland berechnet: Um 39 Milliarden Euro könnte mittelfristig der Wert der deutschen Direktinvestitionen in den USA infolge der Trump-Reform steigen. Umgekehrt ist der Effekt eher gering: Die US-Investitionen in Deutschland dürften auch mit Reform weiter steigen, allerdings langsam, um mäßige 6,3 Milliarden Euro auf dann 77 Milliarden Euro. Die Studie liegt dem Handelsblatt vorab exklusiv vor. Noch in diesem Jahr wollen sich die beiden Kammern des US-Kongresses auf die von US-Präsident Donald Trump

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Apple sucht Rhythmus

Einmal tippen, kurz warten, und schon erscheinen Titel des Liedes und Künstler auf dem Bildschirm. Darunter sind der Text und das Musikvideo zu finden. Mit der App des Start-ups Shazam können Nutzer herausfinden, welche Musik gerade spielt, ob im Radioprogramm oder in der TV-Werbung. Die App dürfte künftig Apple gehören. Der Elektronikkonzern hat angekündigt, das Start-up übernehmen zu wollen, nach Medienberichten für 400 Millionen Dollar. Die Kartellbehörden prüfen den Deal noch. Wie genau die Pläne nach der Übernahme aussehen, erklären die Unternehmen nicht - es geht aber offenbar um die Stärkung des Dienstes Apple Music. "Das Musikstreaming-Umfeld ist sehr wettbewerbsintensiv", sagte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI). Das Streaming, bei dem die Zuhörer die Songs direkt aus dem Internet abspielen, wird immer beliebter. Nutzer haben Zugriff auf Millionen von Titeln, jederzeit und überall, zumindest wenn die Internetverbindung es hergibt.

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Blindflug in die Steuerzukunft

William Hammond ist stinksauer. "Alle meine Abzugsmöglichkeiten fallen weg. Die höhere Pauschale gleicht das nicht aus. Am Ende zahle ich drauf." Der selbstständige Elektroinstallateur lässt seinem Ärger beim Feierabendbier in einer Bar in San Francisco freien Lauf. Hammond, Anfang 50, ist ein Mittelständler mit Pick-up-Truck, Werkzeuggürtel und solidem Einkommen. Leute wie er sollten in den Wahlkampfreden Donald Trumps die Gewinner der Steuerreform werden. Doch das Papier, das jetzt im Kongress verhandelt wird, würde ihn zum Verlierer machen. Viele Amerikaner beginnen langsam, die Konsequenzen des mehrere Hundert Seiten starken Steuergesetzes zu begreifen, das sie nur in groben Zügen kennen und das derzeit durch die Instanzen gepeitscht wird. Es bringt massive Steuersenkungen für Unternehmen und verspricht den Bürgern eine Reduzierung der Steuerstufen von sieben auf drei und außerdem mehr Netto vom Brutto. Gleichzeitig fallen viele Abzugsmöglichkeiten wie für Hypothekenzinsen, Krankheitskosten

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Investoren-Paradies USA

Die geplante Steuerreform in den USA wird weltweit Investoren anziehen, auch aus Deutschland. "Wir sehen die Steuerreform sehr positiv", sagte der Vorsitzende der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern in New York, Caroll Neubauer, dem Handelsblatt. "Die Unternehmen werden das Geld investieren, auch in Forschung und Entwicklung, auch die deutschen", ist Neubauer überzeugt, der als CEO die B. Braun Medical Inc. leitet. Sein Unternehmen investiert derzeit eine Milliarde Dollar in US-Fabriken. Wie groß der Sog aus Deutschland in die USA werden könnte, hat erstmals der ZEW-Unternehmensteuerexperte Christoph Spengel berechnet: Um 39 Milliarden Euro könnte der Wert der deutschen Direktinvestitionen in den USA infolge der Reform steigen. Der umgekehrte Effekt wäre gering: Die US-Investitionen in Deutschland dürften weiter steigen, allerdings nur um mäßige 6,3 Milliarden Euro auf dann 77 Milliarden Euro. Die Studie liegt dem Handelsblatt vorab exklusiv vor. Spengel verlangt, dass die neue Bundesregierung

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"Viele Mittelständler sind in Schockstarre verfallen"

Er residiert in einem Gründerzeithaus direkt am Checkpoint Charlie. Im Empfangsbereich sieht eine Wand aus wie ein großes Puzzle-Spiel, bei dem ungezählte Teile schon die Umrisse eines Bilds erkennen lassen, einige zentrale Elemente aber noch fehlen. Gerahmt und hinter Glas sind dort die Logos all jener 100 Firmen verewigt, bei denen sich die Wagniskapitalgesellschaft Eventures mit insgesamt einer Milliarde Euro beteiligt hat. Es sind ausnahmslos Internetfirmen, die womöglich eine strahlende Zukunft haben oder die in einem Jahr schon niemand mehr kennt. Christian Miele, dessen Onkel Markus den gleichnamigen westfälischen Familienkonzern führt, agiert bei Eventures als Investor an der Schnittstelle zwischen den Welten der Gründer und Geldgeber. Jedes Jahr beteiligt sich der von ihm mitgemanagte Fonds an fünf bis sechs Unternehmen. Zu den Eventures-Investoren zählen traditionsreiche Weltkonzerne wie Porsche, Otto und Rewe, die nicht nur eine marktgerechte Verzinsung auf das eingesetzte Kapital

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Die nächste Karriere des Dr. Z

Tui ist ein Coup geglückt: Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche könnte im Oktober 2018 neuer Aufsichtsratsvorsitzender beim Reisekonzern werden. Im Februar wird der Automanager auf der Tui-Hauptversammlung offiziell für das Gremium kandidieren. Im Herbst dann wird er womöglich den bisherigen Chefkontrolleur Klaus Mangold ablösen. Aus der Personalie lassen sich womöglich auch Schlüsse über seine berufliche Zukunft bei Daimler ableiten. So könnte sich sich der 64-Jährige mit dem Schritt für die Zeit nach seiner aktiven Managerlaufbahn vorbereiten. Denn in Deutschland ist es inzwischen unüblich, dass ein aktiver Vorstandsvorsitzender einen anderen großen Konzern als Aufsichtsratschef kontrolliert. Unter den Top-30-Aufsehern ist kein einziger noch in einem Vorstand aktiv tätig. Das hängt vor allem mit den stetig steigenden Anforderungen an die Arbeit der Kontrolleure zusammen. Ein großes Unternehmen wie Daimler zu führen und gleichzeitig einen milliardenschweren, international tätigen Konzern

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Krisen-Airport mit neuem Chefaufseher

Köln Der Aufsichtsrat des Flughafens Köln-Bonn hat Friedrich Merz (CDU) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die Personalie geht auf eine Initiative der schwarz-gelben NRW-Landesregierung zurück, die den bisherigen Chefaufseher und Ex-SPD-Verkehrsminister Kurt Bodewig ersetzen wollte. Neben der Stadt Köln und dem Bund hält NRW rund 31 Prozent am Flughafen. Die SPD wollte Merz verhindern. Die Sozialdemokraten sehen potenzielle Interessenkonflikte, weil der 62-Jährige auch den Aufsichtsrat beim deutschen Ableger von Blackrock führt. Der Vermögensverwalter ist an Flughäfen und Fluggesellschaften beteiligt. Die Rückendeckung aus dem Unionslager sorgte aber dafür, dass Merz mit acht von 15 Stimmen gewählt wurde. Der Aufsichtsrat entscheidet schon in Kürze über die wichtigste Personalie im operativen Geschäft: Flughafen-Geschäftsführer Michael Garvens steht in der Kritik. Laut interner Prüfung soll er Pflichten verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue. Garvens bestreitet das.

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"Enorme Anstrengungen unternommen "

Wer Aditya Mittal trifft, hat nicht das Gefühl, einem der mächtigsten Männer in der globalen Stahlindustrie gegenüberzustehen. Der Sohn des Magnaten Lakshmi Mittal gibt sich unprätentiös und spricht mit leiser Stimme wohlüberlegt über die Situation der Branche. Als kleine modische Extravaganz trägt der 41-Jährige ein kleines unscheinbares Freundschaftsbändchen am linken Handgelenk. Das Gespräch, das der Finanz- und Europachef des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor-Mittal mit dem Handelsblatt in einem Hotel in Paris führt, ist das erste Interview mit einem deutschsprachigen Medium seit acht Jahren. Herr Mittal, die wirtschaftliche Situation der Stahlindustrie hat sich im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren deutlich verbessert. Wird diese positive Entwicklung anhalten? Ich habe leider keine Kristallkugel dabei ... ... aber Ihre jüngsten Äußerungen zu 2018 klangen zuletzt sehr optimistisch ... ... schauen Sie zwei Jahre zurück: Die Konjunktur in China schwächelte, und das Land drückte

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