Handelsblatt News

Neue Handschrift

Eigentlich müsste ihm doch Angst und Bange werden. Nicolas Baretzki verdient sein Geld ausgerechnet mit Produkten, die in der digitalen Welt leicht in Verruf geraten könnten, Schnickschnack vergangener Zeiten zu sein: Füller, Kugelschreiber, Drehbleistifte. Immer weniger Menschen schreiben einen Brief per Hand. Doch der neue Chef der Luxusmarke Montblanc gerät nicht in Panik, im Gegenteil: "Wir müssen das Luxushaus sein, das die analoge und digitale Welt am besten miteinander vernetzt", fordert er. Und weiter: "Das dürfen wir keinem anderen überlassen, auch keinem der Tech-Konzerne." Damit meint er Apple und Google. Sein Lieblingsprodukt: Das "Augmented Paper" seines Arbeitgebers, ein mobiles Gerät inklusive Notizblock, mit dem Nutzer auf der einen Seite ganz traditionell auf Papier schreiben können, auf der anderen Seite aber auch automatisch per App digital auf die handgeschriebenen Notizen zurückgreifen können. Und Texte somit bearbeiten können. Die Verbindung der traditionellen

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EZB kritisiert deutsche Verwaltungsräte

Die Bankenaufseher der EZB drängen auf eine Verbesserung der Aufsichts- und Verwaltungsräte europäischer Geldhäuser. Im Fokus stehen vor allem deutsche Banken. Nach Informationen des Handelsblatts fordert die EZB die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) auf, ihren Verwaltungsrat zu verkleinern. Der ist mit 36 Mitgliedern deutlich größer als bei den meisten Konkurrenten und deshalb aus Sicht der EZB ungeeignet, um gute Diskussionen zu führen. Weder die Europäische Zentralbank noch die Helaba wollten sich auf Nachfrage dazu äußern. Defizite hat die EZB auch bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank ausgemacht. Dort sind aus Sicht der Bankenaufsicht zu wenige Kontrolleure mit Finanzexpertise vertreten. Unter den 18 Mitgliedern des Verwaltungsrats befinden sich lediglich drei Banker. Ansonsten sitzen in dem Gremium des Frankfurter Instituts sechs Vertreter des Bauernverbands sowie zahlreiche Politiker, darunter Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Dessen Ministerium wies die

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Senden statt saugen

Selbstironie ist in der Medienbranche eine seltene Tugend. Zum Abschied schenkte der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1, Thomas Ebeling, einen Staubsauger der Marke Dyson den Journalisten auf der Bilanzpressekonferenz in Unterföhring. Das Präsent hatte der 59-Jährige bewusst gewählt. Sein Nachfolger auf dem Chefsessel des Dax-Konzerns ist Max Conze. Bis vergangenes Jahr war der Bielefelder CEO der britischen Haushaltswarenfirma Dyson, die mit Staubsaugern ohne Beutel die Branche aufgemischt hat. Im Juni tritt er seine Aufgabe bei der Mediengruppe an. Für Ebeling hingegen war dieser Donnerstag der letzte Arbeitstag. Ein Staubsaugerverkäufer als neuer Chef der größten privaten Sendergruppe Deutschlands - kann das gutgehen? Als Pro Sieben Sat 1 am Mittwochnachmittag den Nachfolger Ebelings verkündete, da mussten die Mitarbeiter des Konzerns erst einmal im Internet nachschauen, um wen es sich genau handelt. Eins dürften sie schnell festgestellt haben: Der 48-Jährige kann zupacken.

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Chinesen übernehmen Modehaus Lanvin

Paris Der chinesische Mischkonzern Fosun übernimmt die Mehrheit am traditionsreichen französischen Modehaus Lanvin. Das teilten die Unternehmen am Donnerstag mit. Das Luxuslabel Lanvin, das seit 2001 mehrheitlich einer Geschäftsfrau aus Taiwan gehörte, steckte zuletzt in Turbulenzen und hatte innerhalb von zwei Jahren zweimal seinen Kreativchef ausgewechselt. Fosun könne Lanvin mit seinen weltweiten Ressourcen und Fähigkeiten Mehrwert bringen, erklärte die Chefin der Konzern-Mode-Sparte, Joann Cheng. Dabei verwies sie auch darauf, dass China einer der wichtigsten Wachstumstreiber des Luxusmarktes werde. Die Fosun-Managerin versicherte, der Positionierung von Lanvin im oberen Luxussegment und der "außergewöhnlichen Qualität der in Frankreich und Italien hergestellten Produkte" verpflichtet zu bleiben. Lanvin wurde 1889 von Jeanne Lanvin gegründet und ist nach eigenen Angaben die älteste noch bestehende Couture-Marke Frankreichs. Die bisherigen Eigentümer bleiben mit einem Minderheitsanteil

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Spielend zum Master-Abschluss

Lernen ohne Internet? Genauso gut könnte man Studenten fragen, ob sie eine Telefonkarte dabei haben. Virtuelle Hörsäle, Onlinetests und Lerngruppen via Chat sind längst Standard bei Business-Schools und Bildungsanbietern aller Art. Speziell die deutschen Hochschulen taten sich jedoch lange schwer damit, digitale Lehrmethoden einzuführen. Ohne den persönlichen Kontakt in der Vorlesung gehe ein wichtiger Aspekt des Studiums verloren, so die Befürchtung. Heute ist klar: Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch. Das sogenannte Blended Learning, die Verschmelzung von digitalem Lernen und Präsenzunterricht, das von Vertretern führender Business-Schools schon vor fünf Jahren zur Zukunft der Business-Bildung erklärt wurde, hat sich weitgehend durchgesetzt. Doch dabei wird es kaum bleiben. Aufbauen oder einkaufen Zahlreiche Business-Schools hätten zwar viel über Blended Learning diskutiert, aber wenig davon umgesetzt, kritisiert Nils Stieglitz, designierter Präsident

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Neue Verhaltensregeln

Der Wechsel im Topmanagement von Ford kam überraschend. Am Mittwochabend teilte der US-Automobilkonzern mit, dass sein Amerika-Chef Raj Nair seinen Posten räumen muss. Am Donnerstagmorgen wurde der Nachfolger ernannt: Der bisherige Chef der Luxusmarke Lincoln, Kumar Galhotra, wird Nair ersetzen. Als Grund für den Rauswurf des 53-Jährigen nannte das Unternehmen "unangemessenes Verhalten". Die Nachfolge verkündete Ford zusammen mit einer Reihe weiterer Toppersonalien. Der 52-jährige Galhotra ist wie Nair ein Veteran des Unternehmens. Der in Indien geborene Ingenieur arbeitete sich in verschiedenen Positionen weltweit hoch, bis er zuletzt die Luxusmarke Lincoln leitete. Bei Ford waren bisher eher Fabrikarbeiter unangenehm aufgefallen - weil sie Kolleginnen begrapscht, verhöhnt und sexuell belästigt hatten. Nun muss auch ein Topmanager gehen. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass sich Nair in einer Art verhalten habe, die "nicht im Einklang mit den Verhaltensregeln des Unternehmens"

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Verwaltungsräte im Visier der EZB

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) gilt im deutschen Bankensektor als Hort der Stabilität. Die Finanzkrise 2008 hat das Institut im Gegensatz zu anderen Landesbanken ohne Staatshilfen überstanden. Und in der Finanzbranche ist das Geldhaus auch sonst für sein konservatives Geschäftsgebaren bekannt. "Eine gute Bilanz ist etwas besser, als sie aussieht", sagt Vorstandschef Herbert Hans Grüntker. Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) müssten sich über Institute wie die Helaba eigentlich freuen, könnte man meinen. Doch dem ist nicht so. Der Verwaltungsrat des Geldhauses, der mit 36 Mitgliedern deutlich größer ist als bei den meisten Konkurrenten, wird von den Kontrolleuren Insidern zufolge scharf kritisiert. Der Verwaltungsrat sei aufgrund seiner Größe nicht geeignet, um gute Diskussionen zu führen, monieren die EZB-Bankenaufseher nach Informationen des Handelsblatts. Zudem bemängeln sie eine mangelnde Effizienz bei der Entscheidungsfindung. Die harte Kritik ist das

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Geld her!

Der Eklat war programmiert. Ein Marketingmanager eines Kosmetikkonzerns sollte eine innovative Onlinekampagne aufsetzen und so einer neuen Hautcreme zum Erfolg verhelfen. Bei gutem Gelingen winkte dem Manager eine Bonuszahlung. Seine Werbestrategie hatte der Marketingspezialist termingerecht ausgetüftelt und umgesetzt. Das Problem war nur: Die Hautcreme, die es zu bewerben galt, schaffte es nicht rechtzeitig vom Labor auf den Markt. Der avisierte Starttermin verzögerte sich. So lange musste die Kampagne in der Schublade ruhen. Im Jahresgespräch diskutierte der Manager mit seinem Vorgesetzten heftig darüber, wie hoch nun sein persönlicher Bonus ausfallen sollte. Während der Manager selbstbewusst auf 100 Prozent pochte, bewertete der Arbeitgeber den Grad der Zielerreichung geringer. Begründung: Der Marketingerfolg sei noch nicht erwiesen. Was etliche Tausend Euro weniger auf dem Konto des Managers zur Folge hatte. Boni, sosehr der Begriff in der Öffentlichkeit verbrannt ist, sind für viele

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