Handelsblatt News

Wursthersteller entgehen Strafe

Bonn Wegen einer Lücke im Wettbewerbsrecht sind drei weitere Wursthersteller einer empfindlichen Kartellstrafe entgangen. Bußgelder von 110 Millionen Euro gegen die Unternehmen Bell (Seevetal), Sickendiek (Neuenkirchen-Vörden, beide Niedersachsen) und Marten (Gütersloh, NRW) wegen Preisabsprachen seien aufgehoben worden, teilte das Bundeskartellamt mit. Die Firmen hätten sich umstrukturiert und seien so rechtlich für die Bußgeldverfahren nicht mehr greifbar gewesen. Mit einer aktuellen Rechtsänderung habe der Gesetzgeber das Schlupfloch für künftige Verfahren aber geschlossen, betonte das Kartellamt. dpa

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Aufstieg aus der zweiten Reihe

Um mächtigster Aufsichtsrat der Republik zu werden, empfiehlt sich der unspektakuläre Durchmarsch. Im Jahr 2011, als das Handelsblatt erstmals sein Ranking der einflussreichsten Aufsichtsräte erstellte, tauchte der heutige Topaufseher Werner Brandt unter den 30 wichtigsten Kontrolleuren überhaupt noch nicht auf. Doch der ehemalige Finanzchef des Softwarekonzerns SAP hatte seine zweite Karriere gut vorbereitet. Schon während seiner Zeit als Vorstand nahm er Aufsichtsmandate an, etwa im Lufthansa-Konzern, sammelte so Erfahrung in der Unternehmenskontrolle und empfahl sich für weitere Positionen. Brandt wollte auch nicht wie andere Manager bei seinem einstigen Arbeitgeber Aufsichtsratskarriere machen. Diesen lange geübten Rollentausch hält der 63-Jährige ohnehin für "problematisch". Brandt steht im zweiten Jahr an der Spitze des Handelsblatt-Rankings. Er pflegt allerdings das Understatement. Mächtigster Aufseher zu werden "war sicher niemals mein Ziel". Der promovierte Betriebswirt zählt

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Spiel, Satz und ein neuer Job

Er sehe seinen Job wie ein Tennismatch, hat Karl-Georg Altenburg einmal über sich selbst gesagt. Aus diesem Satz lassen sich drei Dinge über den 54-Jährigen ableiten, der zu den profiliertesten deutschen Investmentbankern zählt: Altenburg liebt den Tennissport wirklich, sogar so sehr, dass er drei Jahre lang bis 2014 als Präsident den Deutschen Tennisbund leitete. Außerdem ist er ausgesprochen wettbewerbsorientiert, immerhin hat er es selbst als Spieler bis ins Halbfinale der deutschen Hochschulmeisterschaften geschafft. Und drittens gehört er zu den Vertretern seines Berufsstandes, für die es jenseits der Welt des Solls und Habens noch andere Sphären gibt. Für den prominenten Banker beginnt jetzt ein neues Match. Nach Informationen des Handelsblatts wird Altenburg zum US-Bankenriesen Citigroup wechseln. Dort soll er in das neue Beratungsgremium auf europäischer Ebene einziehen. Als Senior Advisor wird es seine Aufgabe sein, große Deals anzubahnen und die Beziehungen zu wichtigen Kunden

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Heimlicher Innovationsmotor

Sein Auftritt wirkt lässig, doch seine Botschaft ist bestimmt. In offenem weißem Hemd tritt Oliver Bäte im vergangenen November vor die versammelten Analysten und Investoren, um die Digitalstrategie des Versicherers Allianz zu erläutern. "Die Allianz wird vorne und im Zentrum des Prozesses (der Digitalisierung) stehen und kein Opfer sein", ruft der 52-jährige Konzernchef den Investoren zu. Wenn das Topmanagement jedoch nach Impulsen für die digitale Modernisierung des Konzerns sucht, blickt es nicht allein auf den wichtigen deutschen Markt oder ins Silicon Valley, sondern vor allem auf ein Land an der Südostspitze Europas: die Türkei. "Silicon Istanbul": Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das Land in den vergangenen Monaten zwar politisch weit an den Rand der Europäischen Union geführt und viel Kredit verspielt. Doch für Europas größten Versicherer hat das Land mit seinen rund 78 Millionen Einwohnern insbesondere als Modellmarkt für digitale Entwicklungen große Bedeutung. "Viele digitale

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Angekommen im Mittelstand

Es war ein aufregender Tag für die drei Gründer von Contorion. Am Montag informierten sie die rund 130 Mitarbeiter des 2014 gegründeten digitalen Fachhändlers für Werkzeuge und Handwerksbedarf über den Verkauf ihres Start-ups. Die Hoffmann SE wird Contorion komplett übernehmen. Aber - und das ist Contorion-Mitgründer und Geschäftsführer Frederick Roehder, wichtig, wie er dem Handelsblatt sagte - "die Gründer bleiben langfristig an Bord". Neben Roehder sind das Richard Schwenke und Tobias Tschötsch, alle drei sind 33 Jahre alt. Contorion soll weiter in Berlin bleiben und unter eigener Marke firmieren. Die 1919 gegründete Hoffmann SE setzte im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden Euro um und versorgt Großkunden wie BMW und Siemens sowie Mittelständler mit Werkzeugen. Seit Januar 2017 führt Robert Blackburn das Unternehmen in München. Contorion bedient vor allem Handwerker. "Wir ergänzen die Kundengruppen", erklärt Roehder. Und die hohe Logistikkompetenz sowie die tiefgehenden Kundenbeziehungen

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Deckung abgelehnt

Es ist nicht ungewöhnlich, dass selbst gewissenhafte Firmenlenker zu spät erkennen, dass ihr Unternehmen insolvenzreif ist. Die Materie ist komplex, selbst Berater brauchen etwas, um das Zahlenwerk zu durchdringen. Doch stellt der Geschäftsführer oder Vorstand nicht rechtzeitig den Insolvenzantrag, ist er schon in ein großes Haftungsrisiko gerutscht: Er muss der Gesellschaft sämtliche Zahlungen erstatten, die er nach dem eigentlichen Eintritt der Insolvenzreife noch gebilligt hat. Es handelt sich um "verbotene Zahlungen". Schließlich soll die Insolvenzmasse für die Gläubiger geschützt werden - so will es das GmbH- und Aktiengesetz. Es geht schnell um Millionen Für solche Fälle haben Unternehmen in der Regel Managerhaftpflicht-Versicherungen (Directors-and-Officers-Versicherung, kurz D & O) abgeschlossen. Doch neuerdings kommt es vor, dass Versicherer den Versicherungsschutz ablehnen und auf ein bislang unveröffentlichtes Urteil verweisen. Das berichten Juristen aus der Praxis. "Auf den

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"Ich mache nicht viel Aufhebens darum"

Vor wenigen Jahren war die Frage "Wer bitte ist Werner Brandt?" durchaus berechtigt. Der langjährige Finanzchef des Softwarekonzerns SAP agierte im Schatten prominenter Vorstandsvorsitzender. Nun ist Brandt der einflussreichste Aufsichtsrat der Republik. Der 63-Jährige kontrolliert Pro Sieben Sat 1, RWE und Innogy, schaut bei Lufthansa und Osram nach dem Rechten. Große Reden sind nicht seine Sache. Brandt mag es kurz und schnörkellos, scheut aber keine Kontroverse. Die Cooling-off-Periode, also die Zwangspause für Vorstände vor dem Wechsel ins Kontrollgremium, findet er im Gegensatz zu vielen Aufsichtsräten gut, Kritik an seinem Status als Multiaufseher wegen Mandatshäufung perlt an ihm ab. Mit dem Filmemacher und Ex-Investmentbanker Ernst Fassbender pflegt er eine ungewöhnliche Bürogemeinschaft in Frankfurt. Zum Interview bittet Brandt aber ins Haus seiner wohl schwierigsten Wirkungsstätte, den RWE-Turm in Essen. Der Energiekonzern steckt in einer existenziellen Krise, und der Aufsichtsrat

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Unterm Teppich

Im Juni 2011 kündigte die EU-Kommission mit großem Aplomb eine regelmäßige Berichterstattung in zweijährigem Rhythmus zur Korruptionsbekämpfung in den Mitgliedstaaten wie auf EU-Ebene selbst an. Der erste Antikorruptionsbericht erschien 2014. Mit den eigenen Korruptionsproblemen der EU befasste er sich nicht. Das solle, so hieß es, im nächsten Bericht geschehen. In diesem Jahr, der zweite Bericht war schon überfällig, kündigte Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans an, die Berichterstattung einzustellen. Anfang Mai riefen einige renommierte Wissenschaftler, darunter aus Deutschland Michael Kubiciel (Augsburg), in einem offenen Brief die Kommission dazu auf, die Berichterstattung als ein besonders wichtiges Instrument der europäischen Korruptionsbekämpfung weiterzuführen. Mitte Juni erhielten die Unterzeichner Antwort: Brüssel verwies auf geplantes weiteres Anti-Korruptions-Engagement. Bei der Einstellung des Monitorings soll es aber bleiben. Man reibt sich die Augen. Transparency

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