Handelsblatt News

Im Fokus der Klatschpresse

Wenn ich mich in meiner Position nicht gegen diese Erpressung wehren kann, wie viele Leute können es dann?", fragte der Amazon-Chef Jeff Bezos in seinem Beitrag auf der Blogplattform "Medium" vor einer Woche. Es ist der neue Höhepunkt in dem Skandal um den reichsten Mann der Welt. Erst wenige Wochen zuvor hatte das Revolverblatt "National Enquirer" Fotos von Bezos' Affäre mit der Nachrichtenmoderatorin Lauren Sanchez veröffentlicht, die wohl auch zur angekündigten Scheidung von seiner Ehefrau geführt haben. Mit dem Blogbeitrag wehrte sich Bezos gegen den "Enquirer". Dessen Mutterverlag, American Media, drohte nun, noch viel intimere Bilder zu veröffentlichen. Der erfolgreichste Unternehmer der Welt steckt mitten in einer Schlammschlacht. Jeff Bezos ist es eigentlich gewohnt, dass er die Welt seiner Konkurrenten durcheinanderbringt. Von Büchern übers Cloud-Geschäft bis zur Raumfahrt hat der reichste Mann der Welt eine Branche nach der anderen aufgemischt. Nun wird sein Privatleben auf einmal

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Moderne Vorreiter

Big is beautiful - so lautet der Leitspruch vieler europäischer Unternehmer und des deutschen Wirtschaftsministers Peter Altmaier, wenn sie über die Lage der europäischen Unternehmen in der Welt sprechen. Richtig ist, dass Unternehmen in der EU nach wie vor global sehr wettbewerbsfähig und sehr erfolgreiche Exporteure sind. Richtig ist auch, dass die EU nach wie vor eine sehr offene Volkswirtschaft mit einem Handelsüberschuss ist. Dennoch besteht die Befürchtung, dass es für EU-Unternehmen immer schwieriger wird, an der Spitze globaler Wertschöpfungsketten zu stehen - oder, anders ausgedrückt, globale Marktführer zu sein. Trotz der Erfolge von EU-Unternehmen sind unter den 50 weltweit führenden Fortune-500- Unternehmen nur neun Unternehmen aus der EU, während 21 Unternehmen aus den USA und zwölf aus China kommen. Noch düsterer ist das Bild bei den 20 führenden Technologieunternehmen der Welt. Hier kommt kein einziges aus der EU, sondern elf kommen aus den USA und neun aus China. Im Plattformgeschäft

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Die Mär vom billigen Dax

Anleger fassen wieder Mut, der Januar zählte zu den stärksten Jahresauftakten überhaupt, und der Februar signalisiert, dass Anleger Gewinne an den Börsen nicht sofort wieder zum Ausstieg nutzen. Mehr noch: SAP, traditionell eines der ersten deutschen Unternehmen, die ihre Bilanz präsentieren, überzeugte mit einem starken Ausblick, nachdem Europas größter Softwarehersteller seine im Vorjahr dreimal angehobenen Ziele erreicht hatte. Doch Zweifel an der Fortsetzung des starken Börsentrends sind angebracht. Sie werden von den Unternehmen geschürt - und ausgerechnet von den Analysten: einer Zunft, die eines zu großen Pessimismus immer unverdächtig war. "2018 war insgesamt ein weiteres gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft", urteilt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. Doch was gut klingt, ist aus Sicht der Börse nur ein Blick in den Rückspiegel. Wichtiger ist, was kommt: "Die Dynamik lässt spürbar nach", so Barth, "die Gewinne sinken bei vielen Unternehmen,

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Zurück zum Luxus

Erst wird aufgeräumt, dann kommen ab 2020 neue Modelle: Der Manager Harald Wester, 2004 bei Fiat eingestiegen, hat einen der schwierigsten Jobs in der Automobilgruppe Fiat-Chrysler (FCA) übernommen. Er ist neuer Chef der Nobelmarke Maserati, die er aus der Verlustzone führen soll. Von 2008 bis 2016 stand Wester schon einmal an der Spitze von Maserati und Alfa Romeo, danach wirkte er als Entwicklungsvorstand von FCA. "Wester kennt den Luxusmarkt genau und versteht Maserati als Marke bestens", sagte FCA-Chef Mike Manley über den 60-Jährigen aus Linz am Rhein, der seine Karriere bei VW startete. "Er kann die modernsten Technologien auch bei Maserati anwenden." Zunächst aber muss Wester das Markenprofil stärken: Manley führte den Absatzeinbruch 2018 darauf zurück, dass Maserati wie ein "Brand des Massenmarkts" gemanagt wurde. Die ehrgeizigen Ziele des inzwischen verstorbenen FCA-Chefs Sergio Marchionne wurden jedenfalls weit verfehlt. Als Folge der neuen Markenstrategie werden Alfa Romeo

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Hongkong statt Herzogenaurach

Die Kleiderordnung im Puma-Vorstand hat Anne-Laure Descours nach zwei Wochen bereits verinnerlicht. Wie ihre beiden altgedienten Kollegen zeigt sich die Französin nun vorzugsweise in einer Trainingsjacke mit Raubtier-Logo. An diesem Donnerstag ist die 53-jährige Managerin am Stammsitz erstmals bei der Bilanzvorlage des Sportartikelherstellers öffentlich aufgetreten. Dauerhaft wird sich die Frau mit dem schulterlangen, hellbraunen Haar aber nicht in Herzogenaurach aufhalten. Sie lebt seit fast einem Vierteljahrhundert in Hongkong, dort bleibt sie auch nach ihrer Beförderung. Im Wachstumsplan von Puma ist ihre Aufgabe zentral. Sie ist für die gesamte Beschaffung mit derzeit 152 Zulieferern zuständig. Weil die Marke Jahr für Jahr mehr Shirts, Shorts und Schuhe verkauft, muss sie stetig neue Produktionskapazitäten auftun. Es sei zudem eine große Herausforderung, "die schnell wechselnden Trends" zu bewältigen, sagt Descours. Da sich der Geschmack der jugendlichen Kunden immer häufiger ändert,

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Osram lockt Investoren an

Noch keine sechs Jahre ist die ehemalige Siemens-Tochter Osram an der Börse. Doch die Anteilseigner haben bereits eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich. Als das Unternehmen im Herbst 2015 eine neue Strategie - den Ausbau des Chipgeschäfts - verkündete, stürzte das Papier an einem Tag um mehr als 30 Prozent auf unter 40 Euro ab. Tatsächlich boomte das Chipgeschäft aber - und die Aktie kletterte bis auf 80 Euro. Im vergangenen Jahr halbierte sich der Kurs jedoch schon wieder. Osram hatte gleich zwei Gewinnwarnungen ausgegeben - und die Nachfrage aus der für das Unternehmen so wichtigen Autobranche kühlte sich ab. Nun könnte Osram womöglich wieder von der Börse genommen werden: Die Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle erwägen eine Komplettübernahme. Nach Informationen des Handelsblatts prüfen die Finanzinvestoren bereits die Bücher in einer Due Dillgence. Noch ist keine Entscheidung getroffen. Sollte der Milliardencoup gelingen, gilt es laut Industriekreisen als eine von mehreren Optionen,

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Ein Fest für die Gutachter

Vor knapp einem Jahr schreckte der Aufsichtsrat von Bilfinger seine Aktionäre auf und mehr noch seine ehemalige Führungsmannschaft. Der Kontrollrat des Industriedienstleiters habe entschieden, vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Roland Koch und elf weiteren Ex-Vorständen Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe zu fordern, gab das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung am 20. Februar 2018 bekannt. So etwas hatte es in der Konzerngeschichte noch nie gegeben. Die Vorhaltungen gegen Koch & Co. gingen ins Mark der Aufgaben einer Unternehmensführung. Die Vorstände hätten zu wenig getan, um sicherzustellen, dass sich Bilfinger-Mitarbeiter an Recht und Gesetz hielten. Weil sie es nicht taten, musste Bilfinger diverse Korruptionsfälle aufarbeiten. 2013 schickte das US-Justizministerium sogar einen Aufpasser - ein Makel, der neben Bilfinger nur wenigen Konzernen wie Siemens, Daimler und Volkswagen anhaftet. Koch und die anderen Vorstände freilich haben bisher keinen Cent gezahlt. Die Ansprüche

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Im Übernahme-Chaos

In Übernahmezeiten ist Kommunikation fast alles. Das weiß auch René Benko. "Wir werden an einer gemeinsamen Kultur arbeiten, das ist doch klar", versicherte der Karstadt-Eigentümer neulich noch im Handelsblatt. Wenn sein Fusionscoup mit Konkurrent Kaufhof erst einmal von den Behörden genehmigt sei, werde man die Sache "ernsthaft und nachhaltig" angehen. Das war im Oktober. Im November hat das Kartellamt der Hochzeit zwischen Karstadt und Kaufhof seinen Segen gegeben. Doch sonderlich nahe sind sich die beiden frischvermählten Partner bislang nicht gekommen. Ganze zwei Rundmails zum Stand des Zusammenschlusses sind seither an die Mitarbeiter gegangen. Dass bei Kaufhof 2 600 Vollzeitstellen wegfallen sollen und der Tarifvertrag gekündigt werden soll, hat selbst der Betriebsrat nur aus der Zeitung erfahren. Kommunikation, war da was? Wenn Firmen zusammengehen, geht oft etwas schief. Und das liegt seltener an strategischen Fehlern als am Faktor Mensch. Schließlich müssen nicht nur große Teams

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