Handelsblatt News

Fiat verkauft Zulieferer

Fiat Chrysler veräußert seine Zuliefertochter Magneti Marelli für 6,2 Milliarden Euro an das japanische Unternehmen Calsonic Kansei. Durch den Zusammenschluss entstehe der weltweit siebtgrößte unabhängige Autozulieferer, teilten die beiden Konzerne am Sonntag mit. Der Verkauf von Magneti Marelli ist die erste große Entscheidung des neuen Fiat-Chrysler-Chefs Mike Manley. Er hat den Posten im Juli übernommen, nachdem der langjährige Konzernlenker Sergio Marchionne schwer erkrankte und schließlich starb. Calsonic selbst war erst vor zwei Jahren vom US-Finanzinvestor KKR übernommen worden, der den Japanern Hilfe bei der Expansion versprach. Die Zulieferer buhlen derzeit um Geschäfte rund um Elektroautos und das autonome Fahren. Magneti Marelli ist in 19 Ländern vertreten, darunter auch in Deutschland. Das Unternehmen liefert Hightech-Elektronikteile sowie Komponenten für den Antriebsstrang und die Lichtanlage an die großen Automobilkonzerne in Europa, Asien und Nordamerika. Noch im April hatte

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Wolfgang Reitzle ist am Ziel

Schon bald nach seiner Rückkehr als Aufsichtsratschef zu Linde - aus der von ihm eher ungeliebten Abkühlphase - betrieb Wolfgang Reitzle die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Gasekonzern. Doch das Projekt lief alles andere als glatt. Ein erster Anlauf im Sommer 2016 platzte. Im Streit über die Fusion wurde ein Finanzvorstand gefeuert, ein Vorstandschef trat später zurück. Doch auch als Reitzle den Merger gegen massiven Widerstand der Arbeitnehmer durch den Aufsichtsrat geboxt hatte, war der Weg immer noch nicht frei: Die Wettbewerbshüter in den USA stellten sich zwischenzeitlich quer. Doch nun, nach mehr als zwei aufreibenden Jahren, ist Reitzle am Ziel. Nach weiteren Zugeständnissen von Linde und Praxair gab die Wettbewerbsbehörde FTC in den USA unter Auflagen grünes Licht. Auch die EU-Kommission genehmigte den Zusammenschluss. Die Bescheide kamen gerade noch rechtzeitig: Bis zum 24. Oktober mussten alle Genehmigungen vorliegen, andernfalls wäre der Zusammenschluss

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Die Wirtschaft warnt vor Pranger

Mit scharfer Kritik reagiert die Wirtschaft auf die Pläne von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), künftig Unternehmen in Fällen wie der Abgasaffäre bei VW mit Sanktionen zu belegen. "Der Dieselskandal sollte nicht missbraucht werden, um ein allgemeines Negativbild der Wirtschaft zu zeichnen. Die ganz überwiegende Mehrheit der Unternehmen wie auch der Bürger handelt rechtmäßig", sagte der Chefjustiziar des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Stephan Wernicke, dem Handelsblatt. "Es gibt auch keine Strafbarkeitslücke. Wer gegen Gesetze verstößt, haftet schon heute." Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, lehnte die Pläne mit dem Hinweis ab, dass dadurch die Falschen im Unternehmen getroffen würden, nämlich Arbeitnehmer und Gesellschafter. "Ihre Unternehmen werden durch hohe Strafzahlungen im Wettbewerb empfindlich geschwächt", sagte Kirchdörfer dem Handelsblatt. Die individuell Verantwortlichen hingegen drohten sanktionslos auszugehen. "Denn

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Auf der Suche nach dem großen Geld

Als Matt Talbot Geld für sein in Colorado ansässiges Start-up sammeln wollte, tat er etwas für einen US-Unternehmer sehr Ungewöhnliches: Er bewarb sich um eine Finanzierung bei einem 8 000 Kilometer entfernten Investor in Deutschland. Und er bekam das Geld. Talbot ist kein Einzelfall. Sein Unternehmen Go Spot Check, eine Firma für Unternehmenssoftware, ist ein Beispiel für einen wachsenden Trend: Immer mehr ausländische Start-ups, vor allem aus Europa und den USA, bekommen Geld von deutschen Investoren. Wie eine Erhebung des Branchen-Trackers Pitch Book für das Handelsblatt zeigt, vergaben deutsche Investoren in den ersten 10,5 Monaten dieses Jahres mehr als 360 Millionen Dollar an ausländische Unternehmen - vor zwei Jahren waren es noch 174 Millionen Dollar. Für deutsche Investoren ist das eine gute Sache. Es zeigt ihren wachsenden Einfluss in der Start-up-Szene auf globaler Ebene. "Ausländische Gründer kommen häufiger nach Deutschland, um um Geld zu werben", sagt Florian Nöll, Chef

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Schlächter-Staat

Die Ermordung des saudi-arabischen Dissidenten Jamal Khashoggi erschüttert die Welt. Sie zeigt auf dramatische Art und Weise, dass Saudi-Arabien in einem Atemzug mit dem Libyen eines Mohammed Gaddafi und dem Irak eines Saddam Hussein genannt werden muss. Für die internationale demokratische Öffentlichkeit kommt diese Debatte scheinbar zur Unzeit. Rechtsstaat und Demokratie sind weltweit auf dem Rückzug. Selbst in der Europäischen Union sind die Entwicklungen in Polen, Ungarn und Italien dramatisch. Viel zu sehr sind also Europäer und Amerikaner mit sich selbst beschäftigt. Wäre es da nicht besser, im Mittleren und Nahen Osten weiter auf Saudi-Arabien zu setzen, das ja auch als eine Art Bollwerk gegen den Iran angesehen wird? Und zeigt nicht die jüngste Vergangenheit, dass sich das Königreich vorsichtig öffnet? Nein. Saudi-Arabien kennt keine Menschenrechte, kein bisschen Meinungs- oder Pressefreiheit. Andersdenkende werden ausgepeitscht, wie der junge Internet-Blogger Raif Badawi. Mit

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Werben um Gewerkschafter

Im November wird das Stinnes-Legien-Abkommen, das als Grundstein der deutschen Sozialpartnerschaft gilt, 100 Jahre alt. Doch so richtig zum Feiern ist Arbeitgebern und Gewerkschaften nicht zumute. Denn das Erfolgsmodell, das Deutschland gut durch die letzte Wirtschaftskrise gebracht hat, schwächelt, weil der Organisationsgrad auf beiden Seiten sinkt. Nur noch 15 Prozent der Beschäftigten sind Mitglied einer Gewerkschaft. Und für Arbeitgeber ist es längst nicht mehr selbstverständlich, sich einem Verband anzuschließen und Flächentarifverträge anzuwenden. Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), hätte durchaus eine Idee, wie sich das ändern ließe: Tariferhöhungen stünden ja eigentlich nur Gewerkschaftsmitgliedern zu, aber alle profitierten davon. "Lassen Sie uns doch mal zusätzliche Lohnprozente oder Urlaubstage für Gewerkschaftsmitglieder vereinbaren", sagte er dem Handelsblatt. Dann würde es den Gewerkschaften sicher deutlich leichter fallen, neue Mitglieder

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Zeit für eine große Lösung

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hat die Probleme des öffentlich-rechtlichen Finanzsektors treffend analysiert. "Für mich ist klar, dass die Strukturen unserer Verbundunternehmen so nicht zukunftsfähig sind", sagte er im Februar im Handelsblatt-Interview. "Daran müssen wir arbeiten." Nun hat Schleweis die Möglichkeit, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Denn die Probleme der NordLB, die auf der Suche nach Investoren ist, bieten die Möglichkeit, eine umfassende Konsolidierung der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute in Deutschland in Angriff zu nehmen. Neben angelsächsischen Finanzinvestoren prüft auch die Landesbank Helaba einen Einstieg bei der NordLB. Und es ist davon auszugehen, dass der NordLB-Mehrheitseigner Niedersachsen bei der Helaba anders als bei Finanzinvestoren bereit wäre, das Institut als Ganzes zu verkaufen. Eine solche Lösung hätte viele Vorteile: Die Hannoveraner Bank müsste den öffentlich-rechtlichen Einlagensicherungsfonds nicht verlassen. Und auch die Sparkasse

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Umstrittene Steuerzinsen

Die Verzinsung im Steuerrecht ist weiter höchst umstritten, aktuell hat das Finanzgericht Münster ernsthafte verfassungsrechtliche Zweifel an der Höhe der Aussetzungszinsen geäußert. Nach Ansicht der Richter ist der Zinssatz von jährlich sechs Prozent für Zeiträume ab 2014 zu hoch, angemessen sei eine Verzinsung von drei Prozent. Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte die Verfassungsmäßigkeit von Nachzahlungszinsen für Verzinsungszeiträume ab dem Jahr 2015 bereits mit seinem Beschluss vom 25. April dieses Jahres bezweifelt (Aktenzeichen IX B21 18). Doch im Steuerrecht werden nicht nur Steuernachzahlungen und - erstattungen mit 0,5 Prozent pro Monat verzinst, sondern auch beispielsweise Stundungen und ausgesetzte Steuerbeträge. Die Münsteraner Richter übertragen diese Rechtsprechung zu den Nachzahlungszinsen auf die Aussetzungszinsen. Dies hat Bedeutung für Steuerverfahren vor dem Finanzamt oder den Finanzgerichten. Wird ein Einspruch oder eine Klage eingelegt und soll die strittige Steuer nicht

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