Handelsblatt News

Noch nicht ausgebremst

Eine gewisse Erleichterung war ihm anzusehen, als Klaus Deller am Donnerstag aus der Anwaltskanzlei Mannheimer Swartling im feinen Stockholmer Finanzbezirk am Stureplan trat. "Wir betrachten das Ergebnis der außerordentlichen Hauptversammlung als bindend für Haldex", erklärte er mit vorsichtiger Genugtuung. Der 55-jährige Chef des deutschen Bremsenspezialisten Knorr-Bremse kämpft seit Monaten um die Übernahme des schwedischen Konkurrenten Haldex. Am Donnerstag fand auf sein Betreiben eine außerordentliche Hauptversammlung der Haldex-Eigentümer statt, die ganz im Sinne von Deller ausging. Die Mehrheit der Haldex-Aktionäre unterstützte den Knorr-Bremse-Antrag, dem nach das Haldex-Management im Übernahmeprozess mit Knorr-Bremse "zügig, effizient und loyal" zusammenarbeiten müsse. Das bedeutet, dass Haldex den Antrag von Knorr-Bremse auf Verlängerung der Angebotsfrist unterstützen muss. Über die Verlängerung der Frist will die schwedische Börsenaufsicht in den kommenden Wochen entscheiden.

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Die Angst vor dem Jobverlust

Bei einer Insolvenz sind sie am härtesten betroffen: die Mitarbeiter. Die Gläubiger verlieren Geld, das Personal in vielen Fällen dagegen den Job und damit nicht selten die Existenzgrundlage. Und so überrascht es nicht, dass Thomas Winkelmann, der Chef der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin, in diesen Tagen vor allem eine Botschaft hat. "Ich glaube, trotz der Insolvenz mein Ziel zu erreichen und einen Großteil der Jobs zu sichern", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Ein mutiges Versprechen, kritisieren Belegschaftsvertreter. "Nach all dem, was wir bislang wissen, sind keine Übernahmen von Personal in der Diskussion", warnt Nicoley Baublies, Vorstandsmitglied der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO und Chef der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL), vor überzogenen Erwartungen: "Es gibt Gespräche mit uns, aber bislang gibt es da wenig konkrete Aussagen zu den Arbeitsplätzen." Air Berlin hatte am vergangenen Dienstag Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Damit kann das Management

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"Besessenheit ist wichtig"

Sein Ziel, sich als amtierender Weltmeister aus dem Ring zu verabschieden, hat Wladimir Klitschko nicht erreicht. Den Kampf gegen seinen Herausforderer Anthony Joshua am 29. April 2017 im Londoner Wembley Stadion verlor er durch technischen K.o. in der elften Runde. Wenig später verkündete er seinen Abschied aus dem Profiboxsport. Mit dem Buch "Challenge Management", das am Donnerstag erschienen ist, meldet sich Klitschko nun zurück. Das Buch, mit Begleittexten von SAP-Chef Bill McDermott und Arnold Schwarzenegger, soll der Grundstein für seine zweite Karriere sein, die der 41-Jährige in den vergangenen Jahren schon vorbereitet hat: die eines Unternehmers. Herr Klitschko, wie geht es Ihnen? Sind alle Blessuren Ihres letzten großen Kampfs verheilt? Schauen Sie mich an. Was glauben Sie? (lacht) Sie haben gerade das Buch "Challenge Management" veröffentlicht. Anders als erwartet ist es mehr Autobiografie als Managementliteratur. Es sind keine Memoiren. Es ist ein Sachbuch. Das ist mir

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"Wir haben nicht so viel Einfluss, wie die Leute sagen"

Seit fünf Jahren führt Paul Taylor die US-amerikanisch-britische Ratingagentur Fitch von London aus. Davor leitete er lange den Verbriefungsbereich, einen Bereich, der in der Krise in Verruf geriet. Zu Unrecht, wie der Konzernchef heute meint. Herr Taylor, die Ratingagenturen wurden für ihre Rolle in der Finanzkrise stark kritisiert. Haben sie ihre Lektion gelernt? Während der Finanzkrise sind ohne Frage Fehler gemacht worden, vor allen im Bereich der Verbriefungen. Die Mehrzahl der Wertpapiere, die wir geratet haben, hat sich jedoch gut entwickelt. Aber natürlich müssen wir sicherstellen, dass wir angemessene Systeme und Prozesse haben, die uns erlauben, Research und Meinungen in bester Qualität herzustellen, frei von Einflussnahmen und Interessenkonflikten. Ratingagenturen sagen, ihre Urteile seinen reine Meinungen. De facto können sie damit Firmen und Staaten in Probleme bringen. Wir haben Einfluss - und wenn wir konsistent gut arbeiten, haben wir mehr Einfluss. Eine Ratingagentur

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Stratege und Poltergeist

Um den heißen Brei hat Michael O'Leary noch nie lange herumgeredet. Und so wird der Chef der Billigfluglinie Ryanair nun auch gewohnt deutlich. Eine "Verschwörung" wittert er gegen sein Unternehmen. Lufthansa, Etihad und die Bundesregierung hätten sich abgesprochen, damit sich Lufthansa Air Berlin billig unter den Nagel reißen könne. Ungewöhnliche Worte aus dem Mund eines Topmanagers - die Experten aber nicht überraschen. Nicht nur weil der 59-Jährige für derartige Sprüche bekannt ist, sondern weil Ryanair als großer Verlierer der jüngsten Entwicklungen auf dem deutschen Markt gilt. Und O'Leary ist keiner, der die Niederlage kampflos hinnehmen würde. Nachdem Air Berlin offiziell Antrag auf Insolvenz gestellt hatte, übernahm die Bundesregierung die Bürgschaft für einen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro. Die unmittelbare Zukunft der noch zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands ist damit gesichert. Nun geht das Geschacher um die wertvollen Start- und Landerechte an Flughäfen

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Die Botschaft des Firmenjägers

Feindaufklärung ist eigentlich sein Metier, doch diesen Angriff sah Firmenchef Marco Fuchs nicht kommen. Am Dienstagabend um 20.45 Uhr ging beim Vorstandsvorsitzenden der Bremer OHB SE eine E-Mail ein. Das Dokument wirkte etwas schludrig aufgesetzt. In der Betreffzeile stand nur "Brief an Markus Fuchs", ansonsten war die E-Mail leer. Das angefügte Schreiben allerdings hatte es in sich. Und mehr noch der Absender. Sein Name ist Guy Wyser-Pratte. Als ob er dem deutschen Mittelstand nicht bekannt genug wäre, stellt sich der US-Amerikaner dem Bremer Satellitenhersteller OHB selbst vor. Er sei seit 1974 im Geschäft und habe seitdem "mehr als 100 aktivistische Initiativen" ergriffen. Als Beispiel nennt er den Roboterhersteller Kuka. Es ist eine Referenz, die zugleich zittern und träumen lässt. Als der Firmenjäger Wyser-Pratte 2003 aufmarschierte, hieß das Unternehmen noch IWKA. Der Vorstand badete in seiner Allmacht, während Aktionäre darbten. Die nächsten Jahre wurden Hauen und Stechen.

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Die ungebrochene Macht

Als im Frühjahr 2007 in den USA die Immobiliendarlehen schwacher Schuldner in Serie platzten, ahnte niemand, mit welcher Wucht die Krise auch deutsche Banken gefährlich treffen würde. Selbst kleine Banken gerieten in den Strudel wie die IKB, die mit rund zehn Milliarden Euro Steuergeldern gerettet werden musste. Doch was verleitet kleine deutsche Institute dazu, große Summen in einen fremden Markt zu investieren, den sie gar nicht kennen? Es ist die vermeintliche Sicherheit. Banker hatten sich allein an die Einschätzungen von Ratingagenturen gehalten. Ratingagenturen kalkulieren das Verlustrisiko von Anleihen und Krediten aller Art und verteilen je nach Risiko Bonitätsnoten. "Investoren haben sich blind auf die Ratingagenturen als höchste Risikoinstanz verlassen", urteilte Jahre später die von der US-Regierung bestellte Untersuchungskommission zur Aufarbeitung der Finanzkrise. Nicht nur die IKB vertraute den Urteilen der großen Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's (S & P) und Fitch.

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Feilschen um das Juwel

Den Mund zu halten, wenn er eigentlich reden möchte, das fällt Erich Sixt schwer. Doch der 73-Jährige bleibt eisern. "Keinen Kommentar" gebe er zu den Gesprächen zwischen Daimler und BMW zur Fusion ihrer Carsharing-Töchter DriveNow und Car2go, wiederholte Sixt am Donnerstag mehrfach. Aber damit sagt der sonst so redselige Unternehmer schon eine Menge. Denn noch vor wenigen Wochen behauptete Sixt, von solchen Gesprächen nur aus der Presse zu wissen. Und tatsächlich war der Autovermieter aus Pullach zunächst nicht am Tisch, als Daimler und BMW Ende 2016 über einen deutschen Champion im rasch wachsenden Markt für städtische Mobilitätsdienstleistungen verhandelten. Dabei geht ohne den Mietwagen-Unternehmer aus Pullach nichts. Denn mit 50 Prozent hält Sixt nicht nur die Hälfte an DriveNow; die Firma stellt auch die wichtigen IT- und Abrechnungsprozesse. Das ist eine gute Position in den Verhandlungen, in die sich Ende Juli BMW-Chef Harald Krüger und Daimler-Chef Dieter Zetsche persönlich

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